Nazis in der Region

Das erste Halbjahr 2014 in der Sächsischen Schweiz

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Wieder einmal machte die Rechte Szene auf sich aufmerksam, als sich eine Gruppe von mindestens 10 Personen am 12. Juli auf dem Pirnaer Markt trafen. Dort fand der Christopher Street Day statt, zu dem eine Initiativ-Gruppe eingeladen hatte. Rund 500 Gäste folgten dem Aufruf. Am Abend begann die stark alkoholisierte Gruppe dann Gäste anzupöbeln und sich nazistisch zu äußern. Neben „Sieg Heil“-Rufen, wurde auch mehrfach der Hitlergruß gezeigt. Nach langem Hin und Her wurde durch die anwesende Polizei eine Person vorübergehend festgenommen, gegen eine weitere wurde Anzeige erstattet.(1)

Zu einem massiven Übergriff kam es am 15. Juni ebenfalls in Pirna. Nach einem Disko-Besuch wurde ein junger Asylsuchender von vier jungen Männern angegriffen und schwer verletzt. Nach Angaben der RAA-Opferberatung musste er mit Stichverletzungen ins Pirnaer Krankenhaus gebracht werden. Über einen weiteren Angriff, der am 16. Mai in Stolpen stattfand, berichtete ebenfalls die RAA. „Vier Männer beleidigten Betreiber, Mitarbeiter und Gäste eines Döner-Lokals in Stolpen rassistisch,bedrohten und schlugen schließlich auf Betreiber und Mitarbeiter ein. Als die Polizei eintraf drohten und beschimpften sie weiter.“ heißt es in der Chronik der Beratungsstelle.(2)

Vermehrt kam es auch wieder zu Schmierereien von rechten Parolen und verbotenen Symbolen. So wurde zum Beispiel am 14. Juni in Neustadt i.Sa. ein Hakenkreuz gesprüht. Zu weiteren solcher Sprühereien kam es über das ganze Jahr hinweg auch in Pirna, Hohnstein und Oelsa. Über die meisten der nazistischen Farbattacken berichtete die Sächsische Zeitung.

Immer wieder steht auch die NPD in Zusammenhang mit rechten Straftaten und deshalb sind auch Razzien gegen Mitglieder keine Seltenheit. Anfang Juli erschienen Beamte in Gohrisch, um eine Wohnung zu durchsuchen. Volksverhetzung gemäß Paragraf 130 Strafgesetzbuch und Gewaltdarstellung gemäß Paragraf 131 Strafgesetzbuch heißen die Vorwürfe gegen den frisch gewählten NPD-Gemeinderat Martin Hering. Nach einer Verurteilung müsste geprüft werden, ob er trotzdem sein Mandat behalten darf.(3)

(1) https://www.addn.me/freiraeume/3-christopher-street-day-in-pirna – eingesehen im Juli 2014
(2) http://raa-sachsen.de/saechsische-schweiz-osterzgebirge.html – eingesehen im Juli 2014
(3) http://www.sz-online.de/nachrichten/razzia-bei-npd-gemeinderat-2878271.html?utm_source=hootsuite&utm_campaign=hootsuite – eingesehen im Juli 2014

Antira-Fussball-Cup 2014

Zum 8. Mal fand in diesem Jahr der Fussball-Cup des AKuBiZ e.V. statt. In 4 Staffeln spielten insgesamt 21 Teams aus Pirna, Dresden, Zittau, Hoyerswerda, Großenhain, Görlitz, Sebnitz und Decin. Nach der Vorrunde, dem Viertelfinale und einem Quiz fanden dann die Halbfinal-Spiele statt. Dabei siegte „Sandale Bonnewitz“ gegen die „Rote Grütze Dresden“. Die „Rackelhähne Görlitz“ gewannen gegen „1953international“ und „Hoyerswerda 1″ besiegte das Team des Jugendhaus Hanno aus Pirna.

Im anschließenden Neun-Meter-Schießen holten die Rackelhähne den Platz 1, gefolgt von Hoyerswerda 1 und Sandale Bonnewitz. Der Fair-Play-Pokal – und damit der wichtigste Preis – ging an das Team der AG Asylsuchende Großenhain. Allen Teams herzlichen Glückwunsch und Dank an die Organisator_innen, die Küfa-Crew, die Schiedsrichter_innen, dem FSV 1923 Lohmen und allen anderen, die zum Gelingen des Turniers beitrugen.

Mehr unter: akubiz.de

Aufruf: Zukunft braucht Menschlichkeit

Im Bürgerforum Pirna engagieren sich Bürgerinnen und Bürger Pirnas – Menschen ganz unterschiedlichen Alters für ein demokratisches, vielfältiges und respektvolles Miteinander. Hervorgegangen ist die unabhängige Initiative aus der Empörung über die Eröffnung des NPD-„Haus Montag“ im Oktober 2013 in Pirna-Copitz. Das Forum will ein öffentliches Bewusstsein schaffen, für bestehende Probleme mit rechter Ideologie. Es will Aufklärung und Hilfestellung geben, rund um das Thema Asyl und Netzwerk sein für Gleichgesinnte und Interessierte.

Aus aktuellem Anlass findet deshalb am Montag, dem 14. Juli 2014 auf dem Sonnenstein an der Remscheider Straße in der Zeit von 13:30 – 16:00 Uhr eine Kundgebung des Bürgerforums Pirna unter dem Motto statt:

„Zukunft braucht Menschlichkeit! – Aktiv gegen rechts!“

Ihr seid alle herzlichst dazu aufgerufen und eingeladen, mit uns gemeinsam ein Zeichen zu setzen für eine lebenswerte, weltoffene, tolerante und demokratische Stadt Pirna!

Zeitzeug_innen treffen!

Nach dem wir in den letzten Monaten mehrere Begegnungsfahrten unternommen haben, können wir morgen wieder die Chance nutzen, mit Überlebenden deutscher Verbrechen ins Gespräch zu kommen. Eine Delegation ehemaliger russischer Häftlinge wird Pirna besuchen und gemeinsam mit Vereinen und Initiativen den Vormittag gestalten. Auch wir werden wieder dabei sein.

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In den vergangenen Wochen besuchten wir KZ-Überlebende aus Polen und verbrachten mit ihnen einen Tag in Ostritz/Görlitz. Wenige Tage später startete unsere Bildungsreise nach Frankreich. Bei den D-Day-Feierlichkeiten in der Normandie trafen wir viele Veteran_innen, die nur mit Glück die Landung der Alliierten überlebt haben. Die Operation vom Sommer 1944 leitete die Niederlage Nazi-Deutschlands ein.

Über deutsche Verbrechen klärt auch gerade eine Ausstellung in der K2-Kulturkiste auf. Lidice ist eines der Symbole für die Gräuel deutscher Grausamkeiten. Das tschechische Dorf wurde komplett zerstört, die Einwohner_innen deportiert und ermordet. Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.

„Rassismus ist Alltag“ – Wir setzen etwas dagegen!

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(Solidarität gegen Rassismus – die Teilnehmenden der Rote-Bergsteiger-Wanderung)

Wir empfehlen außerdem unseren kommenden Termin am 12.06. m 19 Uhr:

Buchlesung: 88 Seelen – oder die Kinder von Lidice

Am Abend des 9. Juni 1942 umstellten deutsche Polizeikräfte (Angehörige der Gestapo, des SD und der Schutzpolizei unter dem Kommando von SS-Offizieren einer Sonderkommission und des Befehlshabers der Sipo in Prag) mit Unterstützung der tschechischen Gendarmerie Lidice und blockierten alle Zufahrtswege, da dort Beteiligte des Attentats vermutet wurden. In der folgenden Nacht wurden die Dorfbewohner zusammengetrieben. Alle 172 Männer, die älter als 15 Jahre waren, wurden in den Hof der Familie Hork gebracht, wo sie tags darauf erschossen wurden. Die Erschießungen wurden, so der Historiker Stefan Klemp, in erster Linie von Angehörigen der Schutzpolizei vorgenommen. Weitere neun Männer, die auswärts in der Nachtschicht in einem Kohlebergwerk arbeiteten, und sieben schwangere Frauen wurden nach Prag gebracht. Die Männer wurden dort erschossen, während die Frauen ihre Kinder gebären konnten. Die verbleibenden 195 Frauen wurden in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo 52 von ihnen ermordet wurden. Nachdem die sieben Schwangeren entbunden hatten, wurden sie von ihren Kindern getrennt und ebenfalls nach Ravensbrück deportiert.

Der Ort Lidice wurde in Brand gesteckt, gesprengt und schließlich durch Züge des Reichsarbeitsdienstes eingeebnet, um die Gemeinde vollständig von der Landkarte zu tilgen. Die Räumung des Dorfes ordnete der SS-und Polizeiführer Karl Hermann Frank an. Vergleichbar mit dieser Vergeltungsmaßnahme war die vollkommene Zerstörung von Lezaky durch die Besatzungsmacht wenige Tage später.

Mehr über den Autor: https://www.facebook.com/stephan.d.mc.neal

und bereits durchgeführte Lesungen: https://www.facebook.com/BischofsplatzVerlagDresden